Neulich im brainbureau facebook-chat – weil wir sonst nix zu tun haben, entwerfen wir in zwei Teilen
die Allgemeine Lehrpflicht (Teil 1, 19. Juni 2010)
[029] Sitzt im Zug nach Hamburg und denkt über eine allgemeine Lehrpflicht nach.
[Lucas] Lernen zu Lehren?
[Lucas] Wissen als Arbeitsteilung, weniger als Wettbewerb? Was er WORÜBER weiß?
[029] Hallo liebe Eltern, wir haben aktuell zuwenig Lehrer an der Schule eurer Kinder: du, du und du, ihr werdet hiermit von eurer Arbeit freigestellt und helft uns beim Unterrichten. Ziel ist ein Betreuer je 5 Schüler, und dazu brauchen wir euch.
[Lucas] ah, Vermittlung von Schulwissen. Why not? ^_^
[029] Anwesenheit bei Gruppenarbeiten, Referenzperson und Ansprechpartner für Kinder aus anderen sozialen Umfeldern, bei entsprechender Qualifikation auch Lehrender oder Ausbilder…
[Lucas] Gesellschaftliche Kinderbetreuungspflicht für Alle (nicht nur: Elterliche, schulische, staatsfürsorgliche etc. wie bisher)? Aber als Pflicht? Wo bleibt da die Freiheit? Kann man jemanden zwingen sich liebevoll um Jemanden zu kümmern, ihn gut zu erziehn? Eignen sich alle Menschen für die Lehre/ Kinderbetreuung? Da müsste man wohl auch den lohngeregelten Arbeitstag stark verkürzen, damit alle genug Zeit dafür haben (und Geld?) und nicht nur Spezialisten (Lehrer). Oder opfern wir unsere Freizeit/ die Wochenenden und Feierabende für diese Pflicht, wie die Eltern (ahah
)? Und überhaupt: “Wie finanziern wie das?”
[Lucas] Nach welchen Kriterien sagen wir “du, du und du” (s. o.)? Wen wählen wir für diese Aufgabe?
[029] Lehrpflicht ist Bürgerpflicht. Wenn man gefragt wird, bringt man bei. Die, welche fragen, werden wissen, weshalb sie wen ansprechen, sie treffen die Auswahl. Und nein sagen muss erlaubt bleiben, wenn auch stigmatisierend wirken – “du musst nicht, auch wenn du solltest” – Wir finanzieren die Lehrpfliicht durch unser Tun und unsere Zeit. Für längerfristige Lehranfragen werden Pensionäre gebeten.
[Lucas] Lehrpflicht also als Pflicht für Alle (“Bürgerpflicht”) ;P Gut, ich hab die Freiheit “nein” zu sagen (“ich muss nicht tun, was ich tun soll” (Rousseau)). Tun und Zeit = Arbeit? Wer arbeitet für mich (zeitversetzt), wenn ich lehre? Bekomme ich dafür kein “Mehr”, kein “Äquivalent” an Kaufkraft als Prinzip der marktwirtschaftlichen Teilhabe am materiellen Konsum? Oder müssen wir erst das Prinzip Geld revolutionieren (lass uns das machen ;D ). Aber wer weiß warum er uns für Lehraufgaben anspricht? Das bereitet mir etwas Sorge; setzt das nicht auch eine sehr starke Transparenz unserer Kompetenzen und Zeitnutzung voraus? Datenschutz! ;D Klingt etwas autoritätsgläubig ;P
[029] Als möglicherweise arbeitsloser Akademiker bist du vielleicht daran interessiert zu von dir ausfüllbaren Themen gefragt zu werden, und du wirst um Sichtbarkeit innerhalb deines Umfeldes bemüht sein. Als arbeitender Akademiker weißt du um die gesellschaftliche Relevanz deines Tuns und wirst deine freie Zeit zu teilen wissen.
die Allgemeine Lehrpflicht (Teil 2, 21. Oktober 2010)
[GTTMDL] hast du eigentlich ne microwelle im büro ?
[029] nope
[GTTMDL] schade, hätt sonst lecker mittag mitbringen können, hab vorhin zu viel gemacht
[029]
ach das ist nett!
[GTTMDL] und lecker
[029] wenn ich noch eine auftreiben kann, melde ich mich rechtzeitig
irgendwo muss noch meine alte rumstehen…
[GTTMDL] ich hab halt meine ausser küche, aber die mitzubringe wör mehr als absurd
[029]
man verabredet sich zum kochen und bringt die küche mit. hat was…
[GTTMDL] der nachfolger der 029 party
[GTTMDL] http://www.southpark.de/alleEpisoden/1404?lang=en falls dus noch nicht gesehen hast
is orsum
[029] geil! gucke gleich mal schreibe gerade an nem neuem brainbureau-thema die allgemeine Lehrpflicht also die Forderung nach der Einführung einer allgemeinen Lehrpflicht
[GTTMDL] oha klingt nach aufrührerischem youtubevideo
[029] ich formuliere mal was:
[GTTMDL] formulieren sie
[029] brainbureau fordert die Einführung der allgemeinen Lehrpflicht – Bürger sollen nicht mehr nein sagen können, wenn sie von anderen Bürgern gebeten werden, diesen Wissen zu vermitteln. Ein derartiger Dienst an der Gesellschaft stellt aus unserer Sicht einen zeitgemäßen und angemessenen Dienst an der Gemeinschaft dar.
[GTTMDL] evtl eher eine umwertung. eine erzeugung der bereitschaft zum lehren. sonst kommt sich das mit der freiheit in die quere
[029] Hhm. Man könnte die Idee in einen Freiheitlichen Kontext setzen – die Grenzen individueller Freiheit zum Wohle der Gemeinschaft verändern, sofern jemand aus der Gemeinschaft anfragt.
[GTTMDL] nicht nein sagen zu dürfen wenn man gebeten wird ist etwas harsch. Es muss als etwas wundervolles gelten Wissen weiterzugeben, Etwas anerkanntes
[029] Die Lehrpflichtigkeit könnte aktiviert werden, sobald mehr als fünf Personen persönlich die Bitte um Lehre an den Betreffenden richten. Fünf Leute kommen und beknieen dich, ihnen doch bitte etwas beizubringen. Du sagst, ok. Aber wir brauchen Materialien und Räumlichkeiten. Dann gehst du mit dem Lehrauftrag zum Kreislehrersatzamt und lässt dir die Ressourcen geben.
[GTTMDL] is n interessanter gedanke, aber dann wär es immernoch unfreiwillig, und wenn ich eigentlich nicht lehren möchte, und dazu gezwungen werde, lehre ich schlecht ja, die ressourcen das ist etwas anderes das wär awesome schnell und unkompliziert an sowas zu kommen
[029] Wenn du schlüssig belegen kannst, dass du vom zu lehrenden Gegenstand keinen Plan hast, kommst du wieder aus der Sache raus
Nur beschränkt lehrfähig
T4
[GTTMDL]
ausgemustert finde den gedanken eine umwertung zu erzielen dabei besonders interessant lehren brauch eine imagekampagne
[029] ich glaub ich pump dieses chatprotokoll gleich mal raus – mal sehen ob und was zurück kommt…
die Allgemeine Lehrpflicht (Teil 3, 25. Dezember 2010)
Ich liebe meine Familie sehr. Aber einigen hätte ich doch mehr Schulbildung gewünscht. Mir übrigens auch. Gerade an Weihnachten fällt das immer wieder besonders auf – so ein bisschen mehr Ahnung von den Dingen der Gegenwart, ein qualifizierendes Gespräch mehr, und manches wäre besser.
Warum gehen die Menschen eigentlich nicht lebenslang zur Schule?
Eine lebenslange Schulpflicht, mit dem Ziel der Vermittlung aller notwendigen Kompetenzen und Kenntnisse zum Umgang mit den jeweiligen Systemen, ob gesellschaftlich, wirtschaftlich oder technisch. Einmal in der Woche trifft man sich jahrein, jahraus und guckt sich im Beisein qualifizierter Lehrender entweder ein aktuelles Smartphone an, testet im kleinen Kreis ein seit kurzem realisierbares politisches Meinungsbildungskonzept oder lernt die Funktionsweise finanzpolitischer Sondermaßnahmen.
Das Schöne an der Schulpflicht: die Schulen stehen schon, Personal ist da (siehe oben), alle müssen hin, jeder kennt sie von früher und keiner braucht sie zu bezahlen.